Gapski, Harald: Medienkompetenz. Eine Bestandsaufnahme und Vorüberlegungen zu einem systemtheoretischen Rahmenkonzept. 1. Aufl. Wiesbaden: Westdeutscher Verlag. 2001. ISBN 3-531-13606-2
Worüber muss der Mensch zukünftig verfügen, um ein kritischer, selbstbestimmter, verantwortungsbewusster Herr im eigenen medial vernetzten Hause bzw. im gesellschaftlichen Mediennetz zu sein? Und wie müssen hierzu adäquate gesellschaftliche Rahmenbedingungen aussehen?
Als eine Antwort auf derartige Fragen hinterlässt seit einigen Jahren der Begriff “Medienkompetenz” seine Spuren in medienpädagogischen, politischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Diskursen. Medienkompetenz ist längst kein Exklusivbegriff medienpädagogischer Fachdiskussionen mehr, sondern ein gesellschaftliches Konstrukt mit bestimmten Funktionen in der Mediengesellschaft, die ihrerseits durch die Massenmedien vermittelt werden. Im Spiel der vielfältigen Diskurse wird deutlich, wie sich systemische Funktionslogiken in die unterschiedlichen Verständnisweisen von Medienkompetenz einprägen.
Vor diesem Hintergrund erschließt die Arbeit einen sichtenden und einen entwerfenden Zugang zum komplexen Feld der Medienkompetenz. Im ersten Teil der Arbeit werden in einer breit angelegten Bestandsaufnahme zunächst Diskurse der Medienkompetenz gebündelt. Im Einzelnen handelt es sich um Skizzen der technischen, biologistischen, linguistischen, soziologischen, medienpädagogischen, wirtschaftlichen, politischen, rechtlichen und ethischen Diskurse der Medienkompetenz sowie um Diskurse und Reflexionen über den Begriff selbst, die zueinander in Beziehung gesetzt werden. Komplementär hierzu werden dann in einer explorativen Fallstudie mit mehr als einhundert Definitionen der Medienkompetenz, die zwischen 1996 und 1999 veröffentlicht wurden, Charakteristiken in den Begriffsbestimmungen inhaltsanalytisch herausgearbeitet.
Im zweiten Teil der Arbeit werden Vorüberlegungen für ein systemtheoretisches Rahmenkonzept unter Rückgriff auf die Ergebnisse der Bestandsaufnahme formuliert. In ihnen wird vorgeschlagen, die individuell-kognitive und die sozial-kommunikative Seite zusammenzuführen, indem Medienkompetenz auf psychischer, organisationaler und gesellschaftlicher Ebene als Beobachtung erster Ordnung (Medienschemata) und zweiter Ordnung (Medienkritik) mit der Unterscheidung Medium und Form beschrieben wird. Notwendig, wenn auch systemtheoretisch nicht deduzierbar, bleibt indes eine normative Ebene der Medienkompetenz auf allen drei Systemebenen zur Entwicklung von Medienkompetenz.
Medienkompetenz bezieht sich auf die weitreichende Frage, wie das Leben, Lernen und Arbeiten in der Informationsgesellschaft gestaltet werden sollte. Nicht nur Individuen, sondern auch Organisationen, Institutionen und Unternehmen sowie die Gesellschaft sind immer wieder neu herausgefordert, auf diese Frage mit eigenen Entwicklungsprozessen zu “antworten”.
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